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Der studentische Tarifvertrag (TVstud) in Berlin

Der studentische Tarifvertrag (TVstud) in Berlin

Interview vom 09.06.2017 mit Matthias Neis

Seit 35 Jahren gibt es in Berlin einen studentischen Tarifvertrag. Doch seit 16 Jahren gab es keine Lohnerhöhung. Die TVstud-Initiative ändert das. Am 09.06.2017 hat Mirjam Sorge (BAG Studierende), ein Interview mit Matthias Neis zum Thema Tarifvertrag studentische Beschäftigte (TVstud) geführt. Die BAG Studierende verfolgt die Kampagne und die Tarifverhandlungen genau und möchte natürlich schauen, wie sich Erfolge der Kampagne bundesweit etablieren können. Das Interview kann angehört werden.

Zusammenfassung des Interviews:

Matthias Neis berichtet, dass es bisher drei Verhandlungsrunden zwischen studentischen Beschäftigen und Arbeitgeber*innen gab, die bisher keine Einigung herbeigeführt haben, weil sich die Arbeitgeber*innen weigern, den Reallohnverlust von 30% zu kompensieren. Der AK TVstud wird gewerkschaftlich betreut durch ver.di und GEW und hat als Ergebnis einer Befragung einen Forderungskatalog mit 14 Forderungen ausgearbeitet. Als zentrale Forderungen nennt Matthias den Inflationsausgleich, eine Dynamisierung wie sie auch von Arbeitgeber*innen vorgeschlagen wurde und der Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes, welches 2014 gestrichen wurde. Am 20.06.17 fand die vierte Verhandlungsrunde statt, auch diese blieb ohne Ergebnis.

Die Tarifkampagne hat bereits trotz hoher Fluktuation von Studierenden einen langen Atem gezeigt. So starteten sie 2015 mit Workshops, führten 2016 eine Befragung der studentisch Beschäftigten durch und haben im April 2017 ihre Organisierungskampagne mit 1.000 neuen ver.di- und GEW-Mitgliedern erfolgreich geschafft.

Überlegt man das Konzept von Berlin auf andere Hochschulen zu übertragen, muss man die Besonderheit Berlins, wo es seit 35 Jahren einen studentischen Tarifvertrag gibt, wo eine eigene studentische Personalrätestruktur vorhanden ist und das Tutor*innenmodell seit den 70ern Tradition hat, berücksichtigen. Matthias schätzt daher ein, dass ein nahtloses Übertragen eher problematisch sei, aber sich bestimmte Praktiken, wie die Social-Media-Kampagne, eine politische Strategie des Zeitpunkts der Berliner Wahl und eine Organisierungskampagne, hilfreich sein würden, um Leuchttürme in anderen Stadtstaaten oder Ballungsräumen mit hohem Wissenschaftsanteil zu schaffen.

Mehr Informationen zur TVstud-Kampagne findet ihr auf Facebook und unter tvstud.berlin.de