biwifo-Report

1/2016 | Der Lebensstandard im Alter sinkt

biwifo Report

1/2016 | Der Lebensstandard im Alter sinkt

Arm trotz Arbeit?

Wie kann das sein? Menschen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, können sich nicht darauf verlassen, dass sie im Alter ein Leben in Würde führen werden. Wie kommt es, dass junge Akademiker*innen schon heute davon ausgehen müssen, dass sie als Senior*innen kein Rentenniveau erreichen, das sie vor dem Gang zum Sozialamt schützt - obwohl sie Vollzeit arbeiten? Ganz zu schweigen von den Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigter mit einem Monatsgehalt von weniger als 2.600 Euro. Denen wird die Altersarmut bereits heute garantiert. Und als wäre das nicht alles schon absurd genug, gilt es aufgrund der Digitalisierung inzwischen bereits als gesellschaftsfähig, nicht mehr über Beschäftigte und Arbeitnehmer*innen in Gänze zu sprechen, sondern sie auf ihren "output" zu reduzieren - sie also quasi zum Stückgut zu machen.

Was das für den eigenen Lebenslauf bedeutet, für die Regulierung der Arbeitsbedingungen und die Weiterentwicklung des Rentenniveaus, kann sich jede und jeder denken. Mit dieser Entwicklung muss Schluss sein! Wir in ver.di glauben daran, dass wir Möglichkeiten der Gestaltungsmacht haben. Um die zu entfalten brauchen wir Regierungen, die Arbeitnehmerfragen ernst nehmen. Was wir dagegen nicht brauchen sind Parteien, die die Gesellschaft spalten, die Angst der Menschen populistisch missbrauchen und rechtspopulistische Dresche gesellschaftsfähig machen. In den anstehenden Landtagswahlen wird es darum gehen, ob auch ver.dianer*innen die Parteien stärken, die Interesse an starken Gewerkschaften haben. Aus "Protest" andere in den Sessel zu heben wird dagegen dazu führen, unsere Gesellschaft weiter zu spalten.

Im Tagtäglichen können wir noch erfolgreicher sein, wenn wir fordern - jede und jeder am eigenen Platz - dass es Alternativen geben muss zu dem, was da auf uns zurollt. Wir sollten anfangen, überall darüber zu sprechen, dass eine millionenfache Altersarmut droht und das in unseren Betrieben, Dienststellen und Familien zum Thema machen. Das Gleiche gilt für die millionenfache gesellschaftliche Ausgrenzung durch prekäre Arbeitsbedingungen. Fehler der Vergangenheit können und müssen korrigiert werden. Es geht um ein würdiges Leben. Unabhängig vom Alter. Dafür steht ver.di, dafür kämpfen wir! Denn Würde kennt keine Ausnahmen.