Hochschulen

Frist ist Frust – Entfristungspakt 2019

Frist ist Frust – Entfristungspakt 2019

Bund und Länder verhandeln gerade über die Zukunft des Hochschulpaktes. Ab 2021 soll der Bund nicht mehr nur zeitweise, sondern aus Dauer in die Finanzierung der Hochschulen einsteigen. Ver.di findet: eine gute Idee, aber dann muss dieses Geld auch in Dauerstellen fließen. Gemeinsam mit der GEW und dem Mittelbaunetzwerk NGAWiss und unterstützt von zahlreichen hochschulpolitischen Organisationen fordern wir: Der Hochschulpakt muss zum Entfristungspakt werden!

Wo liegt das Problem?

93 % des sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchses sind befristet beschäftigt – oft über viele Jahre. Auch 23 % im wissenschaftsunterstützenden Bereich haben einen Fristvertrag. Das ist nicht nur für die Beschäftigten selbst hoch problematisch. Die Hochschulverwaltungen ächzen unter der Vielzahl von Verträgen und die Studierenden können sich nicht darauf verlassen, dass die Lehrenden, bei denen sie das Semester begonnen haben am Ende noch da sind, um ihre Hausarbeiten zu korrigieren.

Woher kommen die hohen Befristungsquoten?

Es gibt für diese einzigartigen Befristungsquoten eine Reihe von Ursachen. Im Wesentlichen herrscht aber organisierte Verantwortungslosigkeit. Alle Beteiligten verweisen auf die jeweils anderen: Die Hochschulen prangern ihre knappe Finanzierung durch das Land an, die Länder beklagen die nur befristete Unterstützung durch den Bund und der kritisiert die Zweckentfremdung seiner Mittel durch Länder und Hochschulen. Zwischen allen Stühlen sitzen die befristet Beschäftigten.

Was ändert sich jetzt?

Aktuell verhandeln Bund und Länder über eine Neuauflage des Hochschulpaktes, eines bisher zeitlich begrenzten Finanzierungsprogrammes für die Hochschulen. Durch die weitgehende Lockerung des sogenannten Kooperationsverbots im Grundgesetz kann der Bund nun dauerhaft Mittel bereitstellen. Das soll im neuen Hochschulpakt passieren. Eine grundsätzlich sehr positive Entscheidung und der perfekte Ausgangspunkt für eine Trendwende beim Befristungswahnsinn. Dauerhafte Mittel können in dauerhafte Stellen fließen. Aber die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt: Von allein wird das nicht geschehen. Bei den bisher diskutierten Vergabekriterien im Hochschulpakt zum Beispiel, spielen Arbeitsbedingungen keine Rolle. Deshalb muss jetzt Druck auf die Politik in Bund und Ländern aufgebaut werden.

Deshalb hat ver.di gemeinsam mit der GEW und dem Mittelbaunetzwerk NGAWiss die Initiative Enfristungspakt 2019 ins Leben gerufen.

  • Unsere Forderungen:

    • Aus Mitteln des Hochschulpaktes dürfen nur Dauerstellen finanziert werden.
    • Es muss sich um neue Dauerstellen handeln, nicht um bereits bestehende, die lediglich wiederbesetzt werden.
    • An den Universitäten dürfen aus den Mitteln keine Hochdeputatsstellen begründet werden. 8 Semesterwochenstunden Lehre für eine Vollzeitstelle (an Universitäten) sollen das Höchste sein.
    • Die Länder müssen über die entsprechende Verwendung der Mittel Bericht erstatten und die Auswirkungen auf die Befristungsquote evaluiert werden.

 

Was kann ich für einen Entfristungspakt tun?

Damit aus dem Hochschulpakt ein Entfristungspakt und aus 2019 ein Entfristungsjahr wird müssen wir Druck machen. Das gelingt nur, wenn sich viele Betroffene hinter unsere Forderungen stellen.

Du kannst dabei helfen:

Besuche unsere Website: www.frististfrust.net
Lade dort unser Forderungspapier runter und verteile es an andere Betroffene oder Interessierte.
Unterschreibe unsere Petition „Frist ist Frust – Entfristungspakt 2019“: www.openpetition.de
Organisiere dich – werde ver.di-Mitglied!

 

Offizielle Pressemitteilung vom 07.03.2019

ver.di fordert Entfristungspakt für die Wissenschaft
Ein Bündnis der Gewerkschaften Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie dem Mittelbaunetzwerk NGAWiss (Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft) fordern Bund und Länder auf, im Rahmen des Hochschulpaktes für mehr unbefristete Beschäftigung an den Hochschulen zu sorgen. Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen über die Verstetigung des Hochschulpaktes für die Zeit nach 2020. Damit würde der Bund nicht mehr nur zeitlich begrenzt, sondern auf Dauer in die Finanzierung der Hochschulen einsteigen. Die Initiatoren sehen darin die Chance auf einen Kurswechsel in der Befristungspolitik. Gegenwärtig ist die Situation an den Hochschulen von 90 Prozent befristeter Verträge beim sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchs geprägt sowie immer noch 23 Prozent Befristungen bei den wissenschaftsunterstützenden Tätigkeiten in Technik und Verwaltung.

Das Bündnis stellt seine Forderungen unter dem Titel „Frist ist Frust – Entfristungspakt 2019“ heute in Berlin öffentlich vor.

Ziel ist es, dass:

  • aus den Hochschulpaktmitteln ausschließlich dauerhafte Arbeitsverhältnisse finanziert werden.
  • es sich dabei um neue unbefristete Stellen handeln muss und nicht um bestehende, die wiederbesetzt oder in der Finanzierung umgestellt werden.
  • die Stellen im Wissenschaftsbereich nicht für reine Lehrstellen aufgewendet werden, die jede Gelegenheit für eigene Forschungsarbeit ausschließen.
  • die Länder über die entsprechende Verwendung der Mittel regelmäßig Bericht erstatten müssen.

„Bund, Länder und Hochschulen schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Befristungsmisere an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu“, betont Ute Kittel, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung. „Die Politik muss nun endlich die Weichen in Richtung von mehr Dauerbeschäftigung stellen. Der Hochschulpakt bietet dafür die perfekte Gelegenheit. Wir brauchen einen Entfristungspakt.“

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz soll voraussichtlich Anfang Mai 2019 über den Hochschulpakt entscheiden. Bis dahin will ver.di den Druck auf die Politik erhöhen und das Bündnis auf noch breitere Füße stellen. ver.di ruft alle Wissenschaftsorganisationen, Betroffenen und Interessierten auf, diesen Aufruf zu unterstützen.

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