Hochschulen

Reinigung gehört zur Uni dazu

Reinigung gehört zur Uni dazu

Gehören zur Hochschule dazu: Die Coronapandemie führt noch einmal vor Augen, warum Outsourcing von Reinigungskräften keine gute Idee ist.

Die Reinigungskräfte hetzen durch die Werkstätten der TU Darmstadt, putzen fix die Halle – und sind wieder weg. Einmal über die Fensterbänke wischen? Fehlanzeige. „Das machen wir selber“, sagt Christine Suszka vom Werkstattpersonal im Fachgebiet Fahrzeugtechnik. „Wir sind schon daran gewöhnt, dass nur das Nötigste gereinigt wird.“ Die Reinigungskräfte hätten gar nicht genug Zeit, um alles gründlich zu erledigen. „Sie sind gefühlt ständig im Stress und rennen nur rum.“ Allerdings stutzte sie, dass in der Coronapandemie auch niemand die Türklinken desinfizierte. Auf ihre Nachfrage kam nur ein kurzes Kopfschütteln. Natürlich könnte sie sich beschweren, sagt die Gewerkschafterin. „Aber das würde ja nur auf die einzelnen Reinigungskräfte zurückfallen.“ Die Pandemie habe noch einmal klar gezeigt, dass das Reinigungspersonal fest bei der Uni angestellt sein müsse, so die ver.di-Vertrauensfrau.

Reinigung stock.adobe.com Reinigung

Die Justus-Liebig-Universität in Gießen ist ein positives Gegenbeispiel. „In der Corona­­­pandemie hat es supergut mit unserer Reinigung geklappt“, sagt Personalrätin Sabine Leib, „Hut ab!“ Die Reinigungs­kräfte sind fester Teil der Uni, werden nach dem Tarifvertrag Hessen bezahlt. Während an der TU Darmstadt ständig die Putzfirmen und das Personal wechselten, so Christine Suszka, bleiben die Reinigungskräfte an der Uni Gießen in der Regel jahrelang dabei. „Wir kennen die Kolleginnen und Kollegen vor Ort gut, können uns auf sie verlassen“, berichtet Sabine Leib. „Gerade in der Corona­pandemie waren wir darüber heilfroh.“ Absprachen sind einfacher, Vorgaben der Uni werden direkt umgesetzt, die Reinigungskräfte regelmäßig geschult.

In der Pandemie habe es ihr auch ein sicheres Gefühl gegeben, immer mit den gleichen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen. „Bei ständig wechseln­den Leuten weiß man ja nie, welche Büros oder Häuser sie sonst noch putzen“, sagt Sabine Leib. So geht es den Kolleginnen und Kollegen an der TU Darmstadt. „Alle zwei Monate ist auf einmal jemand anders da und niemand weiß, warum“, berrichtet Christine Suszka.

Und obwohl sie jeden Tag in der Uni ein und aus gehen, waren die Reinigungskräfte bei der Priorisierung der Hochschulbeschäftigten für eine Impfung außen vor. Auch das war an der Justus-Liebig-Universität in Gießen anders. Die Darmstädter ver.di-Vertrauensleute machten im Frühsommer in einem Appell an die Leitung auf die Situation der externen Dienstleister aufmerksam: „Die Ungleichbehandlung bei der Impfpriorisierung wirft ein Schlaglicht darauf, welche Folgen das Outsourcing der Reinigung und anderer Tätigkeiten für die Betroffenen hat – neben oft prekären Arbeitsverhältnissen und untertariflicher Bezahlung“, heißt es darin.

Als vor rund zwei Jahrzehnten die hessische Landesregierung die Hochschulen mehr oder weniger direkt zum Outsourcing aufrief, widersetzte sich die Unileitung in Gießen. „Unser Kanzler hat damals die soziale Verantwortung der Uni betont“, berichtet Personalrätin Sabine Leib. Stattdessen stellte die Hochschule, unter Beteiligung der Betroffenen und des Personalrats, die Reinigung neu auf, berechnete Flächen, kalkulierte Zeiten – und erarbeitete Reinigungsrichtlinien. „Das war ein langer Prozess.“ Natürlich wäre es leichter und günstiger gewesen, so Sabine Leib, die Reinigung einfach an eine externe Firma zu vergeben – und fertig. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass die Hochschule über viele sensible Bereiche verfüge. „Da darf eigentlich niemand Fremdes rein.“ Außerdem habe die Uni auch eine soziale Verantwortung. Hinzu kommt: „Alle reden von den Kosten“, sagt die Gewerkschafterin. „Aber dafür trägt eine gute Reinigung auch sehr zum Erhalt der Gebäude bei.“ Als in der Pandemie die Universität in Gießen nahezu menschenleer war, nutzten die Reinigungs­kräfte die Zeit zum Beispiel nicht nur für die ständige Desinfektion der Oberflächen, sondern auch für eine ordentliche Grundreinigung.

Die ver.di-Vertrauensleute an der TU Darmstadt wollen sich dafür stark machen, die Kolleginnen und Kollegen wieder einzugliedern. Für die Gewerkschaftsaktiven steht fest: Die Reinigung gehört zur Uni genauso dazu wie alle anderen Bereiche!


Dieser Artikel ist im biwifo-Report 02/2021 erschienen.

  • 1 / 3

Aus der Branche

Kontakt