Hochschulen

Entfristungen jetzt!

Befristung

Ein echter "Zukunftsvertrag" muss her - Entfristung jetzt!

"Bayreuther Erklärung" der Kanzler*innen geht an Realität vorbei
"Frist ist Frust"-Aktion Kay Herschelmann "Frist ist Frust"-Aktion  – "Frist ist Frust"-Aktion vor dem BMBF

 

In ihrer "Bayreuther Erklärung" sprechen sich die Uni-Kanzler*innen für Befristungen aus. Ihr Argument: Unis sind Qualifizierungssysteme. Mehr Dauerstellen würden das System "lahmlegen". Der Zeitpunkt der Erklärung ist kein Zufall.

Denn im Januar müssen die Bundesländer Pläne für mehr Dauerstellen vorlegen, um an die Milliarden des neuen „Zukunftsvertrages“ zu kommen. Die Kanzler*innen befürchten offensichtlich, dass das Befristungsparadigma ernsthaft ins Wanken geraten könnte. Das zeigt: Unsere Kampagne „Frist ist Frust“, gemeinsam mit NGAWiss und der GEW, wirkt. Wir haben jetzt die Chance, die Weichen für bessere Arbeitsbedingen an den Hochschulen zu stellen. Es heißt aber auch: Wir müssen jetzt nachlegen und Druck machen, sonst werden andere dafür sorgen, dass alles beim Alten bleibt.

Chance Zukunftsvertrag 

ver.di hat, gemeinsam mit dem Mittelbaunetzwerk NGAWiss und der GEW, die „Frist ist Frust“-Kampagne ins Leben gerufen. Unser Ziel: Mit den Mitteln der „Zukunftsvertrages Studium und Lehre stärken“ müssen Dauerstellen geschaffen werden. Wir haben uns lautstark in die Verhandlungen auf Bundesebene eingemischt. Der Teilerfolg: Die Länder müssen am 15.1. Verpflichtungserklärungen zur Umsetzung des Vertrages vorlegen und darin müssen auch Pläne für mehr Dauerbeschäftigung enthalten sein. Angesichts von knapp 4 Mrd. € jährlichem Finanzvolumen kann das eine echte beschäftigungspolitische Wende bedeuten. 

Die Intervention der Kanzler*innen zeigt aber, dass viele Seiten versuchen werden, diese Vorgabe „klein zu arbeiten“ und den Status Quo zu erhalten. Deshalb müssen wir jetzt aktiv werden, in den Ländern und an den Hochschulen, wo die Entscheidungsträger*innen sitzen; für konkrete und weitreichende Entfristungskonzepte und deren Umsetzung. 

Was muss passieren?

Aktive und Initiativen an vielen Hochschulen haben sich schon der Kampagne „Frist ist Frust“ angeschlossen. Regionale Bündnisse planen Aktivitäten für das Wintersemester.

Wenn du mehr tun willst, als dich über die Haltung der Kanzler*innen zu ärgern, organisiere dich und bring dich in die Kampagne ein (Kontaktdaten unten).

Hochschulen als Qualifizierungssystem  - ein Realitätscheck

Wie nötig unser Einsatz ist, zeigt die "Bayreuther Erklärung" perfekt. Das Argument, nur maximal großzügige Befristungsmöglichkeiten ermöglichten den Hochschulen die Qualifizierung von Wissenschaftler*innen, ist dabei nicht neu. Ihm liegt eine international fast einzigartige Definition von „wissenschaftlichem Nachwuchs“ zu Grunde, die im Kern alle einschließt, die (noch) keine Professur haben.

Wie wenig diese Sichtweise mit der Realität des Wissenschafts- und Bildungssystems im 21. Jahrhundert zu tun hat, zeigen schon die Zahlen. In Deutschland gibt es gegenwärtig ungefähr 47.000 Professuren, aber 175.000 wissenschaftliche

Mitarbeiter*innen (zu fast 90%befristet). Auch die Zahl der Lehrbeauftragten (die gar kein formales Arbeitsverhältnis haben) übersteigt mit ca. 100.000 die der Professor*innen um mehr als das Doppelte.

Angesichts von aktuell 2,9 Mio. Studierenden und der ständig steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an die Wissenschaft ist klar: Forschung und Lehre würden ohne diese Gruppen völlig zusammenbrechen. Sie tragen das System. Keine andere Organisation würde sich einfallen lassen, diese Leistungsträger*innen oft über Jahrzehnte als „Nachwuchs“ zu behandeln und ihnen - auch nach der Promotion - keine klaren Berufsperspektiven zu bieten.

Gänzlich fadenscheinig wird das Qualifizierungsargument, wenn man berücksichtigt, dass die Befristung nicht beim sogenannten „Nachwuchs“ aufhört. Auch im wissenschaftsunterstützenden Bereich sind fast ein Viertel der Beschäftigten befristet und selbst bei den W2-Professuren sind es inzwischen 15 % (Bevölkerungsschnitt dagegen: 12,5 %). Befristung ist zum Organisationsprinzip geworden, längst aus dem Ruder gelaufen und geht zu Lasten der Beschäftigten, der Studierenden und der wissenschaftlichen Qualität. Wir brauchen dringend eine Trendumkehr.

Wenn du das genauso siehst, dann nimm Kontakt zu uns auf und schreib uns eine Mail an: info@frististfrust.net

Wir vernetzen dich mit Leuten vor Ort, die genauso denken: Gegen Befristung - für einen Zukunftsvertrag, der den Namen verdient.

Aus der Branche

  • 15.01.2014

    Prekäre Arbeit an der Universität

    Über die prekären Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft wurde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Rahmen einer Ringvorlesung informiert und diskutiert.