Hochschulen

Protest zum Verhandlungsauftakt

Protest zum Verhandlungsauftakt

Aktion gegen Befristungen am 1. September 2021 in Darmstadt Kathrin Hedtke Aktion gegen Befristungen am 1. September 2021 in Darmstadt

 

Zu Beginn der Tarifverhandlungen im Land Hessen haben Hochschulbeschäftigte in vier Städten für mehr unbefristete Stellen demonstriert. ver.di erwartet verbindliche Regelung.

Starker Auftakt zu den Tarifverhandlungen im Land Hessen: Zeitgleich zur ersten Verhandlungsrunde am 1. September 2021 in Wiesbaden gingen in Kassel, Marburg, Darmstadt und Frankfurt am Main Hochschulbeschäftigte auf die Straße. Fokus der Aktionen war die Eindämmung prekärer Beschäftigung. Die Gewerkschaften haben im Rahmen der Tarifrunde die Erwartung an die Arbeitgeber formuliert, den Anteil unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen auszuweiten. Konkret sollen im wissenschaftlichen Mittelbau 2023 mindestens 35 Prozent, ab 2025 wenigstens 50 Prozent der Stellen unbefristet sein. Aktuell liegt der Anteil zumeist deutlich unter 20 Prozent. Im administrativ-technischen Bereich der Hochschulen sollen Befristungen nach den Vorstellungen von ver.di auf persönliche Vertretungen beschränkt werden. Auch hier ist an manchen Unis jede*r fünfte Beschäftigte auf Zeit angestellt.

»Befristet Beschäftigte sitzen ständig auf gepackten Koffern«. Proteste gegen Befristungen zum Auftakt der Tarifverhandlungen im Land Hessen 2021 Kathrin Hedtke »Befristet Beschäftigte sitzen ständig auf gepackten Koffern«. Proteste gegen Befristungen zum Auftakt der Tarifverhandlungen im Land Hessen 2021

 

Bei den Protestaktionen saßen die Demonstrierenden symbolisch auf ihren Koffern. »Befristet Beschäftigte sitzen ständig auf gepackten Koffern«, erläuterte der ver.di-Vertrauensleutesprecher der TU Darmstadt, Johannes Reinhard, die Aktionsform. »Sie sind permanent davon bedroht, dass ihr Vertrag ausläuft und sie zum nächsten Arbeitgeber weiterziehen müssen. Wie sollen sie so ein soziales und familiäres Leben aufbauen?« In Darmstadt beteiligten sich über 50 Menschen an der Aktion, insgesamt waren es an den vier Standorten rund 200. Zudem demonstrierten Kolleg*innen verschiedener Betriebe am Verhandlungsort in der hessischen Landeshauptstadt. »Hochschulbeschäftigte brauchen Sicherheit und Perspektiven«, betonte Reinhard, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter selbst befristet angestellt ist. »Das werden wir in den kommenden Wochen immer wieder öffentlich zum Thema machen.«

In Bezug auf die Entgelte fordern die Gewerkschaften für den öffentlichen Dienst in Hessen fünf Prozent, mindestens aber 175 Euro monatlich mehr. Die Ausbildungsvergütung soll um 100 Euro im Monat steigen. Desweiteren erwartet ver.di Vereinbarungen zur Gestaltung der Arbeit im Homeoffice und zur Entlastung der Beschäftigten, zum Beispiel durch die Verringerung der Jahresarbeitszeit. Zudem wollen die Gewerkschaften Gespräche über die Einbeziehung studentischer Hilfskräfte in den Tarifvertrag führen. Einen solchen »TV Stud« gibt es bislang nur im Land Berlin. Zuletzt haben sich an verschiedenen Hochschulen Initiativen zum Thema gegründet, deren Aktivist*innen sich ebenfalls an den Aktionen am 1. September beteiligten.

»Schon zu Verhandlungsauftakt wurde klar, dass insbesondere die Eindämmung der Befristungen und der Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte dicke Bretter sind, an denen wir weiter bohren müssen«, erklärte Gabriel Nyc, der bei ver.di in Hessen für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständig ist. Positiv sei hingegen, dass die hessische Landesregierung nach eigener Aussage beim sogenannten Arbeitsvorgang (https://unverzichtbar.verdi.de) keinen Änderungsbedarf sehe – anders als die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die damit bei der Eingruppierung deutliche Verschlechterungen anstrebt.

»Die Beschäftigten haben die Hochschulen und die anderen Bereiche des öffentlichen Dienstes in der Corona-Pandemie unter schwierigen Bedingungen am Laufen gehalten. Das muss jetzt honoriert werden«, betonte Nyc und verwies auf die anziehende Inflation, die die geforderte Lohnerhöhung umso dringlicher mache. »Es kann nicht sein, dass die Landesbeschäftigten mit Reallohnverlusten für die Krise zahlen sollen. Sie haben eine ordentliche Lohnerhöhung und bessere Arbeitsbedingungen erzielt. Dafür machen wir weiter Druck.« Die Verhandlungen für die rund 45.000 hessischen Landesbeschäftigten werden Mitte Oktober fortgesetzt. Zuvor wollen beide Seiten ihre Verhandlungspositionen und Kompromissmöglichkeiten in Fachgesprächen abklopfen.

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