Hochschulen

Arbeitgeber, geht’s noch?

Tarifrunde der Länder 2021

Arbeitgeber, geht’s noch?

Die Beschäftigten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben auch unter schwierigen Bedingungen in der Pandemie für gute Forschung, Lehre und Verwaltung gesorgt. Doch wenn es nach der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) geht, wird das bei den laufenden Tarifverhandlungen nicht honoriert. Statt Wertschätzung bringt der TdL-Verhandlungsführer, Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), den Beschäftigten Unverschämtheiten entgegen.

Fachkräftemangel? Gebe es allenfalls in »Spezialbereichen«, behauptet Hilbers.

Inflationsausgleich? Obwohl die Preise so stark steigen wie seit 28 Jahren nicht, hält der TdL-Chef einen Ausgleich nicht für nötig.

Lohnerhöhungen? Sollten sie zu hoch ausfallen, droht der CDU-Politiker mit Arbeitsplatzvernichtung.

Arbeitsvorgang? Will die TdL weiter ändern und damit massive Verschlechterungen bei der Eingruppierung erreichen.

Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte an Hochschulen? Sei für die Betroffenen kein Thema, fabuliert Hilbers – und will selbst einzelnen Bundesländern weiter untersagen, entsprechende Tarifvereinbarungen zu treffen.

ÖPNV-Ticket für Auszubildende? Finden die Arbeitgeber »zu teuer«.

Wertschätzung? Fehlanzeige! Widerstand ist angesagt!

Meriton Bajraktari arbeitet als Elektrofachkraft im Gebäudemanagement an der FH Münster. privat Meriton Bajraktari


»Als Tarifbotschafter werde ich unmittelbar nach den Verhandlungsrunden von ver.di informiert. Das finde ich super. Weniger toll ist, was ich da über die Haltung der Arbeitgeber zu hören bekomme. Sie wollen nicht einmal die Inflation ausgleichen. Alle Beschäftigten im Landesdienst haben dafür gesorgt, dass der Laden auch in der Pandemie weiterläuft. Mein besonderer Dank gilt den Beschäftigten im Gesundheitswesen. Und jetzt sollen sie und wir mit Reallohnverlust abgespeist werden? Dagegen müssen wir unser Streikrecht nutzen.«


Meriton Bajraktari arbeitet als Elektrofachkraft im Gebäudemanagement an der FH Münster.


Hannah Grondmann ist studentische Beschäftigte an der Uni Göttingen und aktiv bei TVStud. privat Hannah Grondmann


»Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber irrt gewaltig, wenn er behauptet, der Tarifvertrag sei für studentische Beschäftigte kein Thema. Es gibt eine große Bereitschaft, dafür auf die Straße zu gehen und sich zu organisieren. Das wird sich auch bei den Tarifaktionen und Warnstreiks zeigen. Ob bei den studentischen Beschäftigten oder im wissenschaftlichen Mittelbau – ein gesellschaftlich so wichtiger Bereich wie die Universitäten darf nicht länger von prekärer Beschäftigung geprägt sein.«



Hannah Grondmann ist studentische Beschäftigte an der Uni Göttingen und aktiv bei TVStud.


Patrick Parnow ist Fachkraft für Arbeitssicherheit an der Universität Potsdam privat Patrick Parnow


»Ich empfinde das Auftreten der Arbeitgeber als absolut respektlos. Dass sie mit dem Arbeitsvorgang an die Grundsäulen der Eingruppierung ranwollen, ist ein Unding. Und angesichts einer Inflation von über vier Prozent ist unsere Forderung nach fünf Prozent mehr Geld wohl kaum übertrieben. Letzte Woche haben wir mit einer Protestaktion direkt am Verhandlungsort in Potsdam Flagge gezeigt. Aber wir müssen noch viel mehr auf die Straße bringen. Denn gute Argumente am Verhandlungstisch reichen offenbar nicht.«



Patrick Parnow ist Fachkraft für Arbeitssicherheit an der Universität Potsdam.


Kerstin Thorwirth arbeitet als Bibliothekarin in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt. privat Kerstin Thorwirth



»Es macht mich wütend, dass die Arbeitgeber auf den Änderungen beim Arbeitsvorgang bestehen. Das würde viele Beschäftigte hunderte Euro monatlich kosten und den öffentlichen Dienst noch unattraktiver machen. Für die Bibliotheken haben wir gerade erst erreicht, dass die anspruchsvollen Tätigkeiten zu einer höheren Eingruppierung führen können. Das lassen wir uns nicht 
wieder wegnehmen.«

Kerstin Thorwirth arbeitet als Bibliothekarin in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt.



Ute Elbracht ist Gesamtbetriebsratsvorsitzende am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. privat Ute Elbracht


»Wir Landesbeschäftigte verdienen Respekt und ein auskömmliches Gehalt. Wir brauchen eine ordentliche Entgelterhöhung für alle, die in der Pandemie den Laden zusammengehalten haben. Als Belegschaft des Instituts für Zeitgeschichte in München unterstützen wir die Gewerkschaftsforderungen und sagen klar: Hände weg vom Arbeitsvorgang!«


Ute Elbracht ist Gesamtbetriebsratsvorsitzende am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin.

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