Studierende

Zukunft der Bildung

Zukunft der Bildung


 

„Bildung in all ihren Facetten hat für ver.di eine hohe Bedeutung und wir werden uns für das Thema weiter stark machen“, mit dieser klaren Botschaft wandte sich Sylvia Bühler am Thementag Gute Bildung an Vertreter*innen der Politik. Die hybride Podiumsdiskussion „Zukunft der Bildung - aktuelle Herausforderungen in der Ausbildung, Weiterbildung und dem Studium“ fand am 31. August 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „ver.di wählt“ statt. Gemeinsam mit Sylvia Bühler aus dem ver.di-Bundesvorstand diskutierten ehrenamtliche ver.di-Aktive mit bildungspolitischen Expert*innen der demokratischen Parteien. Etwa 30 Zuhörer*innen verfolgten das spannende Gespräch online und brachten ihre Kommentare über die Chat-Funktion in die Diskussion ein. 

Knapp einen Monat vor der Bundestagswahl wurde Klartext geredet. Der Gesundheits- und Krankenpfleger Joshua Kensy wies gleich zu Beginn der Diskussion auf das größte Problem im aktuellen Ausbildungssystem hin. „Viele Jugendliche bekommen keinen Ausbildungsplatz“, kritisierte er. Wegen dieses Missstandes fordere die SPD eine Ausbildungsgarantie, erwiderte Yasmin Fahimi. Diese solle über einen „Ausgleichsfonds für Betriebe finanziert werden, die nicht ausbilden“. Und auch Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE) unterstützte die Idee einer gerechten Finanzierung der Ausbildung im Sinne einer „solidarischen Umlagefinanzierung“. Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) wies darauf hin, dass seine Partei schon seit Jahren eine vollqualifizierende Ausbildungsgarantie fordere. Wohingegen Jens Brandenburg (FDP) den Begriff einer Ausbildungsgarantie kritisch bewertete, da er „falsche Hoffnungen“ wecke. Das Alternativ-Konzept seiner Partei sei die Zukunftsgarantie für junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden. Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung einer Ausbildungsgarantie bzw. eines Umlagefonds sah auch Thomas Heilmann (CDU/CSU). Dem Politiker von CDU/CSU zufolge liegt das Grundproblem niedriger Ausbildungszahlen schon im Schulsystem bgründet, das viele Schul-Abbrecher produziere. Diese jungen Menschen würden dann wiederum auch häufiger ihre Ausbildungen abbrechen. „Wir dürfen das Problem nicht individualisieren, genau deshalb ist ver.di für eine Ausbildungsplatzgarantie und einen umlagefinanzierten Ausbildungsfons“, hielt Sylvia Bühler (ver.di) entschieden dagegen. „Wir müssen jungen Menschen eine Zukunft geben“, sagte die Gewerkschafterin. Sie ging auch auf das Problem ein, dass sozialpartnerschaftliche Lösungen zur Umlagefinanzierung eines Ausbildungsfonds über Branchentarifverträge nicht überall einfach zu verhandeln seien. Trauriges Beispiel sei hier etwa die Altenpflege.

Thementag Gute Bildung shift/studio Thementag Gute Bildung

 

Intensiv diskutiert wurde darüber hinaus der Nachholbedarf im Bereich der Beruflichen Weiterbildung. Yasmin Fahimi (SPD) forderte, neben klassischen Arbeitsmarktinstrumenten und der betrieblichen Weiterbildung eine individuelle Förderung der Weiterbildung einzuführen. Diese solle als Grundabsicherung in Höhe von 1.200€ monatlich für mindestens drei Jahre in Anspruch genommen werden können. „Ich kann mir vorstellen, dass man das in einem Erwachsenenweiterbildungsgesetz verankert“, sagte Fahimi. Auch Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für einen individuellen Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Qualifizierung aus. „Wir brauchen bei der Weiterbildungskultur einen systematischen Durchbruch“, konstatierte er. Es brauche ein Weiterbildungsgeld für arbeitsmarktbedingte Weiterbildungen und ein Weiterbildungs-BAföG für alle anderen, die sich beruflich qualifizieren wollen. Ein Midlife-BAföG als zusätzliches Instrument für die individuelle Förderung hingegen forderte Jens Brandenburg (FDP). Bis zu 1.000€ im Jahr sehe seine Partei dafür vor. Daraufhin verteidigte Thomas Heilmann (CDU/CSU) das Konzept des Aufstiegs-Bafög. Dieses sei keineswegs gescheitert, aber man müsse über die Gegenfinanzierung sprechen. Einen ganz anderen Blick auf das Feld der Weiterbildung nahm Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE) ein. Die Politikerin forderte, die häufig prekäre Beschäftigungs-Situation im Bereich der Weiterbildung müsse dringend reformiert werden. Dem stimmte Sylvia Bühler (ver.di) zu und stellte darüber hinaus die Bedeutung der Weiterbildung bei der Bewältigung der sozio-ökonomischen Transformationsprozesse dar.

Die Tatsache, dass aktuell nur noch 11 Prozent der Studierenden Leistungen aus dem Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz (BAföG) in Anspruch nehmen können, war der Anstoß für den dritten Teil der Diskussion. „Es ist eine verheerende Botschaft, dass es in einer Wissensgesellschaft mit steigenden Studierendenzahlen immer weniger BAföG-Empfänger*innen gibt“, sagte Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE). Sie forderte, den Grundbetrag des Fördersatzes auf mindestens 560 Euro zu erhöhen, und zwar als rückzahlungsfreien Vollzuschuss. Auch Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für einen Neustart beim BAföG aus. Seine Partei schlägt eine Grundsicherung für Studierende und Auszubildende als Vollzuschuss vor. Diese sehe einen Garantiebetrag für alle und einen Bedarfszuschuss vor. Der Höchstsatz liege bei 1.050 Euro. Für eine BAföG-Reform in Richtung Vollzuschuss sprach sich auch Yasmin Fahimi (SPD) aus. Vor allem die Elternunabhängigkeit müsse gestärkt werden und es brauche eine dynamische Anpassung der Bedarfssätze. Auch Thomas Heilmann (CDU/CSU) forderte, dass die Grenzen für das Einkommen der Eltern nach oben korrigiert werden müssen. Für ein vollständig elternunabhängiges BAföG mit einem Sockelbetrag von 200 Euro hingegen setze sich die FDP ein, berichtete Jens Brandenburg. Dieser Vorschlag sei Teil eines Baukasten-BAföG. Über einen Vollzuschuss aber ließe sich mit der FDP erst diskutieren, wenn die Gegenfinanzierung stehe.

 

Thementag Gute Bildung shift/studio Thementag Gute Bildung

 

Am Ende der Veranstaltung, bei der Sylvia Bühler und die ehrenamtlichen ver.di-Kolleg*innen ihre Anforderungen an eine gute Bildungspolitik den Vertreter*innen der Politik deutlich gemacht haben, hatte die Gewerkschafterin noch eine Bitte: „Hört genau hin, was die Parteien sagen und geht wählen,“ wandte sie sich an die Zuhörer*innen.

Der Livestream zum gesamten Thementag Gute Bildung ist auf YouTube abrufbar. Die Veranstaltung „Zukunft der Bildung - aktuelle Herausforderungen in der Ausbildung, Weiterbildung und dem Studium“ fand am 31. August 2021, von 19:00h – 20:30h statt und ist im YouTube-Video ab Stunde 05:06:00 zu sehen.