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03/2018 | Missbrauchte Macht

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Ungleiche Aufstiegschancen und Sexismus an Hochschulen und Forschungsinstituten

vor 100 Jahren haben Frauenrechtlerinnen das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Deutschland erstritten. Am 12.11.1918 war es so weit. Ein weiter Weg lag hinter ihnen – 70 Jahre hatten Frauen für dieses elementare Menschenrecht gekämpft. Es brauchte mehr als eine Generation, um ans Ziel zu kommen. Auch der Kampf gegen sexualisierte Gewalt währt schon Genrationen. Vor einem Jahr begann die #MeToo Debatte – und in dieser Zeit haben auf der ganzen Welt bisher stumm Gedemütigte schon einiges erreicht. Doch eine Dunkelfeldstudie des Bundesfrauenministeriums geht davon aus, dass jede achte Frau ab 16 Jahren Opfer strafrechtlich relevanter Sexualgewalt geworden ist. Sie rechnen sich aufgrund gesamtgesellschaftlicher Erfahrungen allerdings keine großen Chancen aus, mit einer Anzeige etwas zu erreichen, und so zeigt nur jede zwölfte ihren Peiniger an. Bei drei-viertel der Vergewaltigungsvorwürfe stellt die Staatsanwaltschaft noch vor Eröffnung des Prozesses das Verfahren ein. Grund dafür ist oft, dass sich das Opfer nach dem Übergriff nicht „checklistenartig“ korrekt verhalten hat. Wenn es keine Fotos, Videos oder Zeug*innen gibt, ist ein Verfahren nahezu aussichtslos. Das führt dazu, dass von 100 Tätern gerade mal zwei vor Gericht landen.

Sexualisierte Gewalt findet mitten unter uns statt, im familiären Umfeld, in Ehen genauso wie am Arbeitsplatz und Lernort. Doch in Politik und Medien erscheint es oft so, als sei das ein Problem migrantischer junger Männer. Dabei begünstigen Strukturen wie in der Wissenschaft, wo das berufliche Fortkommen oft an einzelnen Vorgesetzten hängt, sexualisierte Übergriffe. Und die Erfahrungen von Opfern, die sich an die Öffentlichkeit trauen, sind wenig ermutigend: Sie geben nicht nur ihre Karrierepläne auf, sondern werden oft auch systematisch demoralisiert, eingeschüchtert und unglaubwürdig gemacht. Sexualgewalt gegen Frauen und Männer hat nichts mit Sex und sehr viel mit Macht zu tun! Gewalt als solche zu benennen darf kein Tabu sein. Der Weg vor uns ist noch lang...