Über uns

Bundesfachbereichskonferenz

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Bundesfachbereichskonferenz - Konferenz einer coolen Truppe

Die Bundesfachbereichskonferenz Bildung, Wissenschaft, Forschung tagte in Berlin

Die Bilanz ist ermutigend: Unser Fachbereich wächst und ist überdurchschnittlich jung - und nun geht es auf zu neuen Ufern. Am 11. und 12. März 2019 tagte in Berlin die fünfte ordentliche Bundesfachbereichskonferenz Bildung, Wissenschaft, Forschung. 59 Delegierte waren gekommen, um den Geschäftsbericht der vergangen vier Jahre entgegen zu nehmen, Wahlen durchzuführen und über Anträge zu beraten. Die gewählten Vertreter*innen waren zwischen 21 und 70 Jahre alt, die Frauenquote lag bei 60 Prozent. Darüber hinaus fanden sich auch zahlreiche Gäste bei der Tagung ein. Neben dem offiziellen Programm war natürlich auch der informelle Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Landesbezirken und Arbeitsgruppen wichtig.

Die Vorstellung des Geschäftsberichts machte deutlich, dass wir auf vier erfolgreiche Jahre zurückblicken können. Bildung, Wissenschaft, Forschung ist inzwischen nicht mehr der kleinste ver.di-Fachbereich: Seit zehn Jahren steigt die Zahl der Mitglieder, inzwischen sind wir wieder mehr Menschen als zum Zeitpunkt der ver-di-Gründung. Im Berichtszeitraum gab es 4000 Neue. Warum das so ist, kommentierte Fachbereichsleiterin Ute Kittel so: „Das ist gelungen, weil wir berufsfachlich gut sind, aber auch, weil wir eine coole Truppe sind!“ Die größten Zuwächse gibt es im Bereich Weiterbildung und bei den Studierenden.

Zudem ist der Fachbereich der jüngste in ver.di. Mit einer Jugendquote von rund 13 % liegen wir weit über der Zielmarke von 8,5 %, die beim ver.di-Bundeskongress 2015 festgelegt wurde. Einziger Wermutstropfen: Bei den Auszubildenden gibt es noch sehr viel Luft nach oben. Deshalb soll der Bereich in diesem Jahr einen Schwerpunkt bilden.

Partnerwechsel

12 Jahre haben wir auf Bundesebene gut kooperiert mit dem Fachbereich „Besondere Dienstleistungen“ - nun trennen sich unsere Wege. Letztmalig sprach Leiterin Gabi Landen ein Grußwort auf unserer Konferenz. Der Abschied vom Fachbereich 13, der künftig im „Bereich B“ aufgehen wird, ist durchaus mit Wehmut verbunden. Zwar sind die inhaltlichen Überschneidungen überschaubar. Doch zu Recht wies Gabi darauf hin, dass wir Themen wie prekäre Beschäftigung und Altersarmut in der Kooperation früher angepackt haben als viele andere. Die Zusammenarbeit war geprägt von einem kollegialen Miteinander auf Augenhöhe bis hin zu Freundschaften.

Die geplante Fusion mit dem Fachbereich drei „Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen“  war ein wichtiges Thema auf dem Bundeskongress. Deren ehrenamtliche Vorsitzende Lisa Merla betonte, dass sie richtig Lust darauf hat, gemeinsam mit uns etwas Neues zu entwickeln. Damit wies sie mögliche Bedenken zurück, da könne ein großer Fachbereich daran denken, einen Kleineren zu „schlucken“. Die Delegierten sahen die Fusion differenziert: Es gab viel Hoffnung, gemeinsam etwas Gutes neu zu gestalten. Aber auch Kritik wurde laut.

Die Konferenz bot die seltene Gelegenheit, in einer Veranstaltung nicht nur den amtierenden Vorsitzenden Frank Bsirske zu hören, sondern auch seinen designierten Nachfolger Frank Wernecke. Letzterer leitet gegenwärtig den Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie und ist auch noch für die Bereiche Selbständige und Finanzen zuständig. Neben dem gleichen Vornamen fanden sich bei beiden auch viele inhaltliche Gemeinsamkeiten. So teilten sie die Sichtweise, ver.di sei pluralistischer, weiblicher und politischer als andere Gewerkschaften und auch weniger hierarchisch. Einig waren sich die beiden Franks auch in Bezug auf Schwerpunktthemen für die Organisation, allen voran die Stärkung der Tarifbindung „von unten und von oben“. Damit meinen sie, dass es gleichermaßen Tarifkämpfe als auch gesetzliche Regelungen wie die Erleichterung der Allgemeinverbindlichkeit geben muss.

Wahlen

Eine zentrale Aufgabe der Bundesfachbereichskonferenz ist die Wahl des Bundesfachbereichsvorstands und der Delegierten für den Bundeskongress. Darüber hinaus galt es, die Bundesfachbereichsleiterin zu nominieren. Diese Aufgabe wird ab September Sylvia Bühler übernehmen, die 77,3% der Stimmen erhielt. Die amtierende Bundesfachbereichssleiterin Ute Kittel war nicht mehr angetreten, da es aufgrund der anstehenden Fusion als sinnvoll erschien, sich bereits jetzt auf eine gemeinsame Leitung zu einigen und sie dem größeren Fachbereich zugestand, seine Leitung in die Partnerschaft einzubringen.

Sylvia sprach in ihrer Rede vielfältige Themen des Fachbereichs an, von der Studierendenarbeit über Befristungen bis hin zur Weiterentwicklung des Mindestlohns in der Weiterbildung. Bezogen auf die Fusion wählte sie das Bild einer Wohnung, in die ein Paar zusammenzieht und nun gemeinsam entscheiden muss, wer welche Möbel mitbringt und was neu angeschafft wird. Ihre Beschreibung betonte das partnerschaftliche Miteinander. Am Ende ihrer Rede kam sie auf den erstarkenden Rechtspopulismus in Europa zu sprechen und endete mit einem emotionalen Bekenntnis: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.

In den Bundesfachbereichsvorstand wurden 21 Kolleginnen und Kollegen gewählt, die die Landebezirke nominiert hatten. Hinzu kommen die Vertreter*innen der Jugend, Frauen und Senior*innen. Zusammengerechnet besteht das Gremium aus 26 Personen. Auf seiner konstituierenden Sitzung wählte der Bundesfachbereichsvorstand Wiebke Koerlin von der Universität Mainz zur Vorsitzenden; zum ersten Mal nimmt eine Frau diese Position ein. Ihre beiden Stellvertreter sind Magnus Wuggazer und Frank Hensler. Klaus Böhme, langjähriger Vorsitzender des Bundesfachbereichsvorstandes, wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Delegierte entschieden über 47 Anträge

Weil die bildungspolitischen Positionen des letzten Bundeskongresses unverändert aktuell sind, entschied der Fachbereich, auf einen grundsätzlichen bildungspolitischen Leitantrag zu verzichten. Stattdessen ging es konkreter um „Bildung als Schlüssel zur Integration“. Dieser Leitantrag stellt die Relevanz von Bildung dar für eine gelingende Integration von Geflüchteten, aber auch anderer Migrant*innen. Nötig sind qualitätsvolle Angebote für alle Altersstufen vom Kleinkind bis zu älteren Menschen im berufstätigen Alter. Für die Umsetzung zentral sind gute Beschäftigungsbedingungen für diejenigen, die die Lernenden unterrichten und begleiten. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Weiterbildung bleiben auf der politischen Agenda.

Als weitere gesellschaftspolitische Fragen standen Abrüstung und die Ablehnung verschärfter Polizeigesetze auf der Tagesordnung.

Prekäre Beschäftigung und Befristung war eines der dominierenden Themen der Konferenz. Besonders dramatisch ist dies im Bereich Hochschulen, wo 93% der wissenschaftlich Beschäftigten Zeitverträge haben. Aber auch beim wissenschaftsunterstützenden Personal liegt die Befristungquote mit 23% doppelt so hoch wie sonst im öffentlichen Dienstes. Entsprechend gab es zu diesem Themenfeld zahlreiche Anträge, um diese unsägliche Entwicklung zurückzudrängen. Sie forderten beispielsweise, Befristungen auch mit tarifvertraglichen Regelungen einzudämmen.

Die meisten Anträge betrafen sowieso tarifpolitische Themen. Das Spektrum dabei war breit und reichte von Diskriminierungsfreiheit und Arbeitszeitverkürzung bis hin zu spezifischen Eingruppierungsproblemen.

Wesentliche organisationspolitische Themen waren der Ausbau der Studierendenarbeit und der Erhalt der Fachlichkeit im Zuge der ver.di-Umstrukturierung.

Bundesfachbereichskonferenz der Frauen

Im Vorfeld der Fachbereichskonferenz fand am 11. März die Bundesfachbereichskonferenz der Frauen statt. Sowohl bei der Eröffnung als auch bei der Behandlung des inhaltlichen Schwerpunkts arbeiteten die Kolleginnen der Fachbereiche 5 und 13 zusammen. Die formelleren Teile der Konferenz fanden dann getrennt statt.

Fachbereichsleiterin Ute Kittel stellte in ihrer Eingangsrede klar, dass die Frauenquote nach wie vor notwendig sei. „Quotenfrau“ zu sein bedeute kein Makel, im übrigen müsse es verbindliche Regeln zur Frauenförderung geben. Zugleich appellierte Ute aber auch an die Delegierten, in der anschließenden Fachbereichskonferenz auf höfliche Zurückhaltung zu verzichten: „Nehmt das Mikro in die Hand, überlasst nicht den Männern den Platz!“

Karin Schwendler, Bereichsleiterin Frauen- und Gleichstellungspolitik, kritisierte die aktuelle Gesetzgebung als unzureichend, um die Benachteiligung von Frauen im Erwerbsleben zu beheben. Die Novellierung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes gehe nicht weit genug: Das Rückkehrrecht in Vollzeit gelte nur für neue Fälle. Auch das Entgelttransparenzgesetz sei zahnlos, weil viele Betriebe eine Offenlegung der Lohnsituation umgehen könnten. ver.di-intern forderte sie, dass es auch nach dem Umbau Frauenstrukturen in den Fachbereichen geben müsse.

Inhaltlicher Schwerpunkt der Frauenkonferenz war ein Vortrag von Dr. Kathrin Drews (TBS NRW) über die Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung und was sie insbesondere für weibliche Beschäftigte bedeutet. Die Arbeitsforschung kann bisher nicht eindeutig abschätzen, ob mit neuen Steuerungsmodellen - Stichwort „agil“ und „mobil“ - auch Verbesserungen für viele Beschäftigte einher gehen. Vieles ist noch unklar und im Fluss. Umso wichtiger sei es, eigene Vorstellungen zu entwickeln und für deren Umsetzung einzutreten, so Drews. Es komme darauf an, möglichst stark mitzugestalten statt den Veränderungen ausgeliefert zu sein.

Im fachbereichsinternen Teil berichtete Reingard Wagner über die Arbeit der letzten Jahre. Reingard war Frauenvertreterin im Bundesfachbereichsvorstand und Vertreterin des Fachbereichs im Bundesfrauenrat. Ihre Aufgabe bestand darin, die jeweils spezifische Perspektive in beiden Gremien einzubringen. So trug sie beispielsweise im Leitantrag zur Geflüchtetenpolitik einen Abschnitt über die spezifischen Probleme von Frauen in dieser Situation bei.

Die landesbezirksübergreifende Vernetzung der Frauenarbeit im Fachbereich gestaltete sich in den vergangenen Jahren als schwierig. Es gab zwar ein Vernetzungstreffen von Frauenvertreter*innen und weiteren Interessierten, doch eine Vertiefung der Zusammenarbeit unterblieb, weil sich spontan kein konkretes Arbeitsvorhaben entwickelt hatte. Ein erneutes Treffen um des reinen Austauschs Willen hatte bei vielen Beteiligten keine Priorität – und im Trubel der Fusionsdebatte ging es dann schlicht unter.

Im Sinne der Verjüngung der Gremien trat Reingard nicht wieder zur Wahl an. Neu gewählte Frauenvertreterin im Bundesfachbereichsvorstand ist Hannah Koppetz, die auch für den Bundesfrauenrat nominiert wurde.

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